Gesundheit

27. Juli 2018

Autor:Laura Stein

Letzte änderung am September 28th, 2018 um 12:06

Nagelpilz – wenn der Pilz die Nägel befällt

Nur schleichend macht sich Nagelpilz bemerkbar, aber die Folgen können verheerend sein. Was viele nicht wissen: Pilzbefall ist eine der häufigsten Nagelerkrankungen.

Wird ein Nagelpilz nicht behandelt, dann kann das zur Zerstörung und schließlich dem Verlust des Nagels führen.

Die Mediziner warnen: Trotz der großen Ansteckungsgefahr wird Nagelpilz noch immer von vielen verharmlost oder sogar ignoriert.

Doch damit der Pilz erfolgreich behandelt werden kann, ist eine frühe und ausreichend lange Therapie notwendig.

Was ist Nagelpilz?

Von dieser Pilzerkrankung wird die Infektion von Finger- oder Zehennägeln beschrieben sowie im weiteren Verlauf der Hautareale um die Nägel herum mit einem Pilz.

Von den Medizinern wird Nagelpilz als Onychomykose (von Onycho = Nagel, Mykose = Pilzerkrankung) bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Pilzinfektion der Nägel.

In den meisten Fällen geschieht das durch Fadenpilze, sogenannte Dermatophyten. Nur selten entsteht Nagelpilz durch Hefe- oder Schimmelpilze.

Es muss stets eine ärztliche Diagnose über die Nagelpilzerkrankung erstellt werden. Denn im Gegensatz zur Therapie des Fußpilzes ist die Behandlung vom Pilz deutlich komplizierter und langwieriger.(1)

Wird der befallene Nagel nicht richtig behandelt, dann läuft der Betroffene Gefahr, dass der Pilz den Nagel komplett zerstört und zudem die anderen Nägel befällt.

Dies ist nicht nur von der Optik unschön, sondern es kann auch erhebliche Schmerzen mit sich führen und zu Beeinträchtigungen beim Gehen führen.

Anmerkung:

Es ist zu beachten, dass nur rund 50 % aller Nagelverfärbungen durch einen Pilz ausgelöst werden.
Die typischen Kennzeichen für eine Pilzinfektion sind(2)

  • Brüchigkeit der Nägel
  • Abspaltung einzelner Nagelschichten
  • Weiße Streifen oder Flecken
  • Weißliche bis gelblich-braune Verfärbungen
  • Verdickung der Nagelplatte
  • Entzündetes Nagelbett

Allerdings werden dadurch keinerlei Schmerzen verursacht. Zum Teil tritt mit der Nagelpilz-Infektion auch eine Fußpilzinfektion auf.

Kommt es hier zu einer falschen Behandlung, dann stellt dies eine erneute Infektionsgefahr dar.

Wie entsteht Nagelpilz? Was sind die Ursachen?

Nagelpilz stellt eine der häufigsten Erkrankungen der Nägel dar und kann sowohl an den Fuß- als auch an den Fingernägeln auftreten.

Die betroffene Person infiziert sich dabei meist mit dem sogenannten Fadenpilz.

Es spielten bestimmte Faktoren eine Rolle, durch die eine Ansteckung mit Nagelpilz begünstigt werden(3)

  • Wiederholte Verletzungen der Nägel – bspw. beim Sport durch zu enge Schuhe oder bei der Pediküre
  • Fehlstellungen der Füße
  • Durchblutungsstörungen der Arme und Beine
  • Stoffwechselstörungen – bzw. Diabetes mellitus
  • Ein geschwächtes Immunsystem
  • Veranlagung

Da die Krankheitserreger die feucht-warme Umgebung lieben, finden sie sich aus diesem Grund typischerweise in öffentlichen Bädern und Duschen.

Aber auch Fitnessstudios sowie Umkleidekabinen und Duschen von Sporthallen sind häufige Ansteckungsorte. Die Krankheitserreger nisten sich in die Hautfalten der Füße ein oder auf den vorgeschädigten respektive durch das „Schuhklima“ aufgeweichten Nägeln.

Nur selten sind Kinder vom Nagelpilz betroffen, während bei den über 40-Jährigen die Ansteckungsgefahr zunimmt.

Was hilft gegen Nagelpilz von der medizinischen Seite?

Nagelpilz kann sowohl innerlich (systematisch) mit Tabletten als auch äußerlich (topisch) mit medizinischen Anti-Pilz-Nagellacken behandelt werden.

Der Wirkstoff gelangt bei der äußerlichen Anwendung mit antimykotischen Nagellacken durch das Aufpinseln direkt an den Wirkungsort. In der Regel ist diese Behandlungsform ausreichend, sofern die Nagelwachstumszone nicht betroffen ist.(4)

Sollte die Nagelwachstumszone betroffen bereits vom Pilz betroffen sein, dann ist eine kombinierte Behandlung mit Lacken und Tabletten empfehlenswert.

Es stehen verschiedene Arzneimittel für die Behandlung vom Pilz zur Verfügung.

Die pilzabtötenden Medikamente gegen die Nagelmykosen werden als Antimykotika bezeichnet, wobei von diesen Wirkstoffen ganz unterschiedliche Strategien genutzt werden: sie können fungistatisch oder fungizid wirken.

Fungiastisch bedeutet, dass der Wirkstoff den Pilz am Wachstum hindert, diesen aber nicht abtötet. Die fungiziden Wirkstoffe hingegen töten die Pilze ab.

Hausmittel – sind sie wirklich hilfreich gegen Nagelpilz?

Unter anderem gilt Apfelessig als Hausmittel gegen Nagelpilz

„Nagelpilz Hausmittel“ oder „Hausmittel gegen Nagelpilz“ – das sind wohl die Suchbegriffe, die gern im Internet eingegeben werden, wenn es darum geht kostengünstige Hausmittel gegen Nagelpilz zu finden.

Was die Trefferliste der vermeintlich hilfreichen, natürlichen Hausmittel angeht, so ist diese lang. Sie reicht von Apfelessig über Eigenurintherapie bis hin zu australischen Teebaumöl und Zahnpasta.

Viele der Hausmittel sind günstig und leicht erhältlich, viele davon sind sogar zuhause vorhanden. Aber was viele nicht wissen ist, dass die gut gemeinten Mischungen und Anwendungen aus Oma’s Hausapotheke nur in den seltensten Fällen helfen.

Der Grund ist, dass die Hausmittel gegen den Pilz nicht tief in die Nagelplatte eindringen können und so gar nicht mit dem Pilz in Kontakt kommen.

In vielen anderen Gesundheitsblogs wird immer wieder gern beim Thema Nagelpilz und Hausmittel darauf hingewiesen, dass sie helfen, aber deren Wirkung nicht bestätigt ist.

Doch von Experten wird eindringlich davor gewarnt, den Nagelpilz mit althergebrachten Hausmitteln zu behandeln. Der Grund ist, dass die Tipps von Großmutter die Symptome sogar verschlimmern können.

Laut dem Berufsverband der deutschen Dermatologen breitet sich der Pilz ohne die richtige Behandlung immer weiter aus und befällt so auch die anderen Nägel.

Zudem kann es zu Beschwerden beim Laufen kommen und auch eine bakterielle Infektion ist nicht auszuschließen.

Anmerkung:

Die Diagnose sowie die Behandlung von Nagelpilz gehört in fachkundige Hände, sprich einem Hautarzt. Von diesem werden dann die passenden Pilzmittel verschrieben, je nachdem, wie weit sich der Nagelpilz bereits ausgebreitet hat, ist ein lokal einsetzbarer, medizinischer Anti-Pilz-Lack das helfende Mittel.

Hausmittel gegen Nagelpilz: Pro und Contra Check

Derzeit gibt es noch keinerlei medizinische Studien, von denen die Wirksamkeit von Hausmitteln bei der Behandlung von Nagelpilz belegt wird.

Zudem wurden auch noch nicht die möglichen Nebenwirkungen erforscht. Was also spricht gegen oder für die Hausmittel?

Unser Pro und Contra Check:

Apfelessig:

Pro

Im Apfelessig ist Essigsäure enthalten und dieser werden antibakterielle (bakterientötende) Eigenschaften zugesprochen.(5)

Es wird immer wieder empfohlen, Apfelessig und kaltes Wasser im Verhältnis 1:1 zu mischen und die betroffenen Stellen mit einem Wattepad oder einem sauberen Tuch mehrfach täglich mit dieser Lösung zu betupfen. Es kann alternativ auch ein Fußbad genommen werden: Mischung 1:4 aus Wasser und Apfelessig.

Contra

Es sind online eine Vielzahl von Erfahrungsberichten zu finden, in denen die Wirkung von Apfelessig gegen Nagelpilz bestätigt wird.

Aber es gibt noch keine Studie, die das zu 100 % belegt!

Die Alleskönner bei Nagelpilz? Teebaumöl, Lavendelöl und Salbeiöl

Pro

Von den ätherischen Ölen kann das Wachstum von Pilzsporen reduziert werden.(6)

Es wird in Foren empfohlen, einige Tropfen des jeweiligen Öls auf ein Wattestäbchen zu geben und dann die infizierten Stellen damit zu bestreichen.

Contra

Die antimykotische Wirkung der Öle ist nicht stark genug. Auch hier stehen nur Studien zur Wirksamkeit der ätherischen Öle gegen Nagelpilz noch aus.

Omas Hausmittel „Backpulver“ – hilft es gegen Nagelpilz?

Pro

In jedem Haushalt gibt es Backpulver und es ist nicht teuer. Empfohlen wird in einigen Internetportalen, direkt nach der Dusche die betroffenen Stellen mit Backpulver zu bestreuen.

Dadurch soll der Pilz „austrocknen“. Von anderen wird Backpulver mit etwas Wasser vermischt und die Masse dann auf die vom Pilz befallenen Nägel aufgetragen.

Contra

Auch für diese Billigvariante gilt: Noch gibt es keine bestätigenden wissenschaftlichen Belege.

Mit Zahnpasta den Nagelpilz „wegputzen“?

Pro

Es finden sich online auch Berichte von Betroffenen, die anscheinend ihren Nagelpilz mit Fluor-Zahnpasta bekämpft haben. Ein vermeintliches Plus hier „Kostet fast nix!“ Es wird behauptet, dass Fluor eine starke antimykotische Wirkung haben soll.(7)

Contra

Auch für dieses so oft empfohlene Hausmittel gilt: Noch fehlen die klinischen Belege für die Wirksamkeit.

Zusammenfassung

Die Selbsttherapie mit Hausmitteln gegen Nagelpilz ist aus wissenschaftlicher Sicht mit Vorsicht zu genießen. Zu all den Mitteln, die online immer wieder angepriesen werden, existieren zumeist keinerlei klinische Studien, durch die eine Wirkung hinreichend belegt wird.

Um den Pilz zu bekämpfen ist ein pilzabtötender Wirkstoff notwendig, der tief in den Nagel Transport wird. Den Hausmitteln fehlt jedoch diese geeignete Trägersubstanz, wodurch die Mittel – auch wenn sie helfen sollten – nicht tief genug in den Nagel vordringen können.

Bestenfalls ist ein Nagelpilz mit Hausmitteln behandelbar, wenn ausschließlich die oberste Schicht des Nagels betroffen ist – aber dabei handelt es sich eher um eine Ausnahme.

Anmerkung:

Es kann laut den Medizinern keine Empfehlung ausgesprochen werden, Nagelpilz mit Hausmitteln zu bekämpfen.

Im Gegensatz zu den Hausmitteln gibt es zu allen medizinischen Nagellacken, die in den Apotheken erhältlich sind klinische Studien und Studien zu ihrer Wirksamkeit bei Nagelpilz und auch zur Arzneisicherheit.

Nagelpilz vorbeugen – hilfreiche Tipps

Natürlich ist es möglich, Nagelpilz vorzubeugen. Sind die Nägel intakt, dann hat der Nagelpilz keine Chance.

Doch sollte eine sogenannte Mikroverletzung vorliegen, dann ist es dem Erreger möglich, über diese in die Nagelplatte vorzudringen.

Deshalb ist eine gewissenhafte Fußpflege die beste Methode, wenn es darum geht, sich vor einer Ansteckung mit Nagelpilz zu schützen.

Folgende Tipps sind zudem hilfreich, wenn es darum geht einer Pilzinfektion der Nägel zu entgehen:

  • Nicht barfuß in öffentlichen Einrichtungen laufen – Sauna, Schwimmbad, Hotels…(8)
  • Bettwäsche, Socken, Badematten, Handtücher über 60°C Grad waschen; noch besser kochen.
  • Bequeme und gut passende Schuhe tragen. Auch wichtig ist ein atmungsaktives Material, wodurch die Fußfeuchte schnell wieder abgeleitet wird
  • Turnschuhe nur für die Zeit des Sports tragen
  • Möglichst jeden Tag andere Schuhe wählen, damit die einzelnen Paare trocknen können
  • Socken aus natürlichen Materialien nutzen und täglich wechseln
  • Eine regelmäßige Pflege der Nägel
  • Diabetes Millitus entsprechend behandeln lassen und auf gute Zuckerwerte achten. Vor allem Diabetiker sollten ihren Füssen ganz besondere Aufmerksamkeit schenken und regelmäßig auf Veränderungen kontrollieren.

Was ist zu beachten, wenn man sich angesteckt hat?

Kosmetikutensilien, welche in Kontakt mit dem Pilz geraten, sollten nach der Anwendung gründlich gereinigt werden, um die Verbreitung zu vermeiden.

Wer sich bereits mit Nagelpilz infiziert hat, der sollte als erstes darauf achten, dass er ein eigenes Handtuch für seine Füße benutzt und dieses täglich wechselt.

Zudem sollten nach jedem Kontakt die Geräte wie Nagelschere oder Feile sowie natürlich die Hände sorgfältig gereinigt werden.

Ansonsten besteht eine Infektionsgefahr für andere Körperregionen. Auch das Waschen der Socken bei 60°C Grad kann die Pilze abtöten.

Zusätzlich ist es hilfreich, wenn die Socken und Schuhe während der Infektion und auch nach der Therapie desinfiziert werden, damit einer neuen Infektion vorgebeugt wird.

Des Weiteren gilt: Aus Rücksicht auf andere sollte der Betroffene nicht barfuß laufen! Das gilt nicht nur für zuhause, sondern auch für öffentliche Einrichtungen!

Zusammenfassung: Nagelpilz den Garaus machen

Von Schätzungen wird davon ausgegangen, dass in Deutschland circa 10 Millionen Menschen vom Nagelpilz betroffen sind.

Von diesen finden sich lediglich 10 % in Behandlung, also 1 Millionen. Dabei ist es den Ärzten möglich, selbst einen langjährig bestehenden Nagelpilz zu behandeln.

Info:

Pilze liebe eine feucht-warme Umgebung.

Die Menschen die leicht schwitzen, ungünstiges, luftundurchlässiges Schuhwerk tragen und sich gern in Feuchtbiotopen wie bzw. Schwimmbad und Sauna aufhalten, sind einem höheren Risiko ausgesetzt sich mit einem Pilz zu infizieren.

Ganz unbemerkt wird die Pilzspore irgendwo mitgenommen, wo sie von einem pilztragenden Gefährten abgelegt wurde. Für die Faden-, Schimmel- oder Hefepilze stellen die Nägel einen idealen Nährboden dar.

Als Schmarotzer wachsen sie vom äußeren Nagelrand in den Nagel hinein und arbeiten sich dabei Richtung Nagelhaut vor. Allerdings ist ein Eindringen in die Blutbahn nicht möglich, da der Fadenpilz sich vom Nagelhorn ernährt.

Der Nagelpilz ist nicht nur optisch unschön, sondern er stellt eine potenzielle Gefahrenquelle dar, in Hinsicht auf die Ausbreitung des Pilzes auf den Zehenzwischenraum oder andere Körperstellen.

Daher ist es wichtig, bei der Nagelpflege darauf zu achten, dass die Nägel transparent erscheinen und der vordere Rand nicht eingetrübt ist.

Setzt eine weißlich-gelbliche Verfärbung ein und es tritt eine hellgraue Masse zwischen Nagelplatte und Nagelbett heraus, die unangenehm riecht, dann ist ein fortgeschrittenes Stadium erreicht.

Das gilt auch wenn sich der Nagel vorn aufwirft und bröckelig ist. In jedem Fall sollte dann der Hautarzt aufgesucht werden, der den Befall entsprechend behandelt.

Abzuraten ist von Eigenversuchen mit Hausmitteln, denn hier ist es noch nicht medizinisch erwiesen, dass diese hilfreich sind!

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Laura Stein - Verfasser/In

Laura Stein ist Ernährungscoach und überzeugte Low-Carb-Eaterin. In ihren Artikeln gibt sie ihren Erfahrungsschatz aus jahrelanger Tätigkeit als Ernährungscoach weiter, welcher sich auf eine gesunde Ernährung, dem gesunden Abnehmen mit Low-Carb, sowie der Steigerung der Lebensqualität bezieht.

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